Einen Abend und fast eine ganze Nacht lang zum Samstag herrschte in Mimmenhausen närrische Aufruhr. Etwa 1500 Hästräger und Musikantenvolk belagerten das Goldkäfernest. Angezettelt von den einheimischen "Bierkärhexen", zogen sie mit mächtigem Getöse nächtens durch die Straßen und wurden aus Freude über den Aufbruch in die fünfte Jahreszeit von viel gemeinem Volk umjubelt.
Der närrische Sturm auf das Goldkäfernest war von den Mimmenhauser "Bierkärhexen" unter Führung ihres neuen Hexenmeisters, dem Winter Ralf, von langer Hand geplant. Dabei konnte er auf die lange Übung setzen, die sein Gefolge in derlei Mummenschanz hat. Zum 13. Mal riefen die "Bierkärhexen" allerhand Gleichgesinnte aus naher und fernerer Umgebung zum nächtlichen Umzug herbei.
Schon bei heraufziehender Dämmerung hat sich der
närrische Spuk angebahnt. Verhohlen schleichen sich nach und nach die Anführer
von 38 Zünften und Gruppen ins Jugendheim, um dem "Bierkär"-Hexenmeister und
seiner Vize Katja Kugler mit Versen und freundschaftlichen Gaben Reverenz zu
erweisen. Auch Manfred Härle, der Salemer Schultes, mischt sich in fetziger
Aufmachung in die Phalanx der närrischen Würdenträger, hat aber Mühe, sich in
der Enge des Jugendheims noch auf ein freies Plätzchen zu quetschen und
proklamiert wenig später in seiner Grußadresse: "Es ist höchste Eisenbahn, dass
in Mimmenhausen ein Dorfgemeinschaftshaus auf den Weg gebracht wird." Im Herzen
von "Goldkäfer"-Präsident entfacht diese Erleuchtung euphorisches Feuer. Über
all die alefänzigen Ehrerbietungen der hoch dekorierten Gäste hinweg
verklamüsiert er dem Gemeindeoberhaupt seine DGH-Pläne, bis sich am Ende Horst
Schmid, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der zwölf Salemer Narrenvereine,
energisch aller Gehör für eine besondere Botschaft verschafft. Die kam aus dem
vorarlbergischen Zisterzienser-Kloster Mehrerau. Von dort ließ Bruder Konrad,
der langjährige Narrenpräsident von Mimmenhausen und ehemalige Landvogt der
Narrenvereinigung Hegau-Bodensee, Jürgen Fonferek, allen Narren seine besten
Grüße ausrichten. Er, der vor knapp zwei Jahren sein Heil in der
Ordensgemeinschaft gesucht hat, konnte am vergangenen Freitag seinen 50.
Geburtstag feiern. Mit dem brüderlichen Segen ihres Bruders konnten dann auch
die Narren fröhliche Urstände feiern. Zwischen Mühle und Schule wurden sie auf
ihrem Zug durch das Goldkäfernest von dichten Zuschauerspalieren umjubelt. Mit
ihnen trieben die "Tryllenbühler" aus Beuren, die "Schnabelgiere" aus Meersburg,
die "Feuerhexen" aus Tettnang und wie sie alle hießen, neckischen Schabernack.
Gemeinsam huldigten sie anschließend alle im Festzelt, der Turnhalle oder den
kleinen Besenwirtschaften in ausgelassener Stimmung der Narretei.
Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Peter
Schober. Herzlichen Dank!